Sophie-Scholl-Oberschule Berlin

  • Bericht einer Lehrerin

Am 16.6. überraschte ich meine Schüler und Schülerinnen mit dem Vorschlag, uns mit dem Leben und der Wirkung von Anne Frank in unserem Deutschunterricht zu beschäftigen. Die meisten kannten Anne Frank, hatten aber noch nichts von dem Anne Frank Tag gehört. Dass an dem Tag vor 75 Jahren das dreizehnjährige Mädchen ihr berühmt gewordenes Tagebuch von ihren Eltern zum Geburtstag geschenkt bekam, berührte alle. Ich merkte, dass die Gruppe sich über das Thema freute und neugierig war.

Zunächst trugen die Schüler und Schülerinnen zusammen, was sie bereits wussten. Anschließend lasen wir Ausschnitte aus der Zeitung des Anne Frank Zentrums und unterhielten uns darüber. Anne Franks Mitgefühl für das Schicksal ihrer Mitmenschen beeindruckte die ganze Gruppe. Anne dachte nicht nur an ihre eigenen Sorgen, sondern konnte beobachten, wie Juden auf der Straße verhaftet wurden, und sie litt mit ihnen. Sie wünschte sich sehnlich Frieden für alle Menschen auf der Welt. Dass sie sich über den Zustand der Welt Gedanken machte und am Leben anderer Menschen Anteil nahm, gab ihr Kraft. Dies erstaunte die Schüler und Schülerinnen und einige schreiben in ihren Texten, wie erwachsen sie Anne Frank finden. Eine Schülerin meinte, heute würden viele wegen Kleinigkeiten weinen und sich beschweren.

Niemand kannte Miep Gies, über die wir in der Zeitung einen kleinen Artikel lasen. Miep Gies war eine derjenigen, die den Mut besaß, den acht Menschen zu helfen. Nach der Verhaftung Anne Franks fand sie das Tagebuch, versteckte es bis zum Kriegsende und gab es Annes Vater. Dass Menschen anderen unter Lebensgefahr helfen, fanden alle Schüler und Schülerinnen sehr mutig. Anhand von kleinen Texten zur Zivilcourage und Mitmenschlichkeit von Elie Wiesel, Ervin Staub und Nelson Mandela überlegten alle, ob sie heute Beispiele von Zivilcourage kennen und wie Menschen so mutig werden können. Gedanken dazu finden sich auch in einigen Schülertexten.

Die Auszüge aus den Tagebucheinträgen Anne Franks, die wir lasen, berührten viele. Ich finde, dass alle Schülerinnen und Schüler sich in den fünf Stunden mit diesem Thema intensiv auseinandergesetzt und sich beim Aufschreiben Ihrer Gedanken große Mühe gegeben haben.

Gerti Prusznowski

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