Anne-Frank-Schule Hanau

Ein zum Aktionstag an der Schule verwendeter Text zum Leben von Anne Frank und Kinderrechten in der Gegenwart:

»Anne Frank war ein jüdisches Mädchen aus Deutschland. Sie wurde im Jahr 1929 in Frankfurt am Main geboren. Nachdem Hitler an die Macht gekommen war, zog Anne Frank mit ihren Eltern und ihrer Schwester Margot nach Amsterdam, weil Juden in Deutschland verfolgt wurden. In Amsterdam lebten sie aber erst einmal in Sicherheit. Als der Zweiten Weltkrieg, ausbrach, waren die Juden auch in den Niederlanden nicht mehr sicher. Kurz nach Anne Franks 13. Geburtstag versteckte sie sich mit ihrer Familie in einem Hinterhaus in Amsterdam. Dort schrieb sie auch ein Tagebuch. Leider war ihr Versteck nicht sicher genug. Anne und ihre Familie wurden von den Nazis verhaftet und in Lager gebracht, wo sie sehr schwer arbeiten mussten und nur wenig zu essen und zu trinken bekamen. Weil sie dadurch immer schwächer wurden, wurde Anne, ihre Schwester Margot und ihre Mutter schwer krank und starben.

1. Kinder haben das Recht nicht benachteiligt zu werden.
Wir dürfen wegen unserem Aussehen, unserer Sprache, unserer Religion oder unserer Hautfarbe nicht benachteiligt werden. Keiner darf uns deswegen ärgern, auslachen, ausschließen, beleidigen oder schlagen. Damit das nicht passiert gibt es in unserer Schule und im Hort Regeln. Lehrer und Erzieher achten darauf, dass diese Regeln eingehalten werden. 

Anne Frank hatte das Recht nicht. Die Familie von Anne Frank war jüdisch. Der Führer von Deutschland hasste Juden und viele Deutsch fanden, dass er Recht hatte. Hitler machte es den Juden in Deutschland sehr schwer. Es gab neue Gesetze gegen Juden. Jüdische Kinder mussten in der Schule woanders sitzen. Sie wurden von den deutschen Klassenkameraden geärgert. Viele Juden verloren ihre Arbeit. Sie durften in vielen Berufen nicht mehr arbeiten. Sie durften zum Beispiel nicht Lehrer sein. Deswegen floh die Familie von Anne Frank nach Amsterdam, wo sie die gleichen Rechte wie alle anderen Menschen hatten. 

2. Kinder haben das Recht gesund zu leben, Geborgenheit zu finden und keine Not zu leiden.
Wir haben das Recht, uns im Supermarkt gesunde Lebensmittel zu kaufen: Obst, Gemüse, Fleisch. In der Betreuung oder zu Hause bekommen wir ein warmes und gesundes Mittagessen. Wir haben sauberes Trinkwasser, sogar in der Schule. Wenn wir krank sind, können wir zum Arzt gehen und bekommen die richtige Medizin. Die Eltern pflegen uns, wenn wir krank sind und kümmern sich um uns. Wir bekommen genug frische Luft draußen, in den Pausen und nach der Schule. Die Erwachsenen helfen dabei, dass Luft, Wasser und Nahrung sauber bleiben.

Anne Frank hatte das Recht nicht. Die Familie Frank musste sich vor den Deutschen verstecken. In dem Gebäude, in dem Annes Vater gearbeitet hat, gab es ein Hinterhaus. Dort lebte die Familie über zwei Jahre und durfte nicht nach draußen. Sie konnten nicht an die frische Luft. Sie konnten nur essen, was ihnen von Freunden gebracht wurde. Sie durften nicht einkaufen gehen. Sie konnten nicht zum Arzt, als sie krank waren. Anne brauchte dringend eine Brille, aber sie konnte nicht zum Augenarzt gehen. Es war zu gefährlich. Wenn sie das tun würden, könnte man sie erschießen. Sie hatten große Angst. 

Anne schreibt in ihrem Tagebuch: »Wir können nicht mal den Arzt rufen! Es ist scheußlich, wenn man im Hinterhaus krank ist. Wenn man husten muss, muss man schnell unter die Decke kriechen. Sonst könnten die Menschen im Lager das hören. Aber das Kribbeln hört nicht auf, wenn man leise hustet. Ich müsste nach draußen an die frische Luft. Ich müsste mal einfach richtig lachen. Das ist viel besser als all die Tabletten. Ich bin wie ein Vogel ohne Flügel in einem viel zu kleinen Käfig.«

3. Kinder haben das Recht bei ihren Eltern zu leben und von ihren Eltern gut betreut zu werden.
Wir können zusammen mit unseren Eltern in einem sicheren Zuhause leben. Die Erwachsenen sorgen dafür, dass unser Zuhause sicher bleibt. Wir haben Gesetze, die uns und unser Zuhause schützen. Unsere Eltern haben meistens die Möglichkeit, sich gut um uns zu kümmern. Wenn sie das nicht können, dann gibt es Menschen, die ihnen dabei helfen. 

Anne Frank hatte das Recht nicht. Sie konnte zwar mit ihren Eltern leben, aber in dem Versteck im Hinterhaus lebte auch eine andere Familie und es gab oft Streit. Die Eltern von Anne konnten nicht viel tun, damit es ihren Kindern immer gut geht, weil sie das Haus nicht verlassen konnten. Sie waren immer auf die Hilfe ihrer Freunde angewiesen. Ihr Zuhause war nicht sicher. Sie mussten immer leise sein, damit man sie nicht entdeckt. Anne hatte große Angst, vor allem nachts. Sie hörte Schüsse und Flugzeuge. 

Anne schreibt in ihr Tagebuch:  »Das wirkt vielleicht kindisch, aber man muss das mal erleben. Manchmal kann man sein eigenes Wort nicht verstehen.«

4. Kinder haben das Recht zu lernen und eine Ausbildung zu machen, die ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten entspricht.
Wir können und dürfen in die Schule gehen. Wir können lesen, rechnen und schreiben lernen. Wenn wir Schwierigkeiten haben, gibt es Lehrer und Lehrerinnen, die uns helfen, besser zu werden. Wir haben Schulbücher, für die wir nicht bezahlen müssen. Wir haben AGs, in denen wir Neues lernen können. Nach der Schulzeit können wir eine Ausbildung machen oder studieren. Wir können einen Beruf haben, der uns Spaß macht.

Anne Frank hatte das Recht nicht. Anne Frank konnte nur in ihrem Versteck lernen. Sie hatte zwar einige Bücher, aber keine Lehrer. Sie musste alles alleine lernen. Sie hoffte, dass sie nach dem Krieg wieder in die Schule gehen könnte. Und dann wollte sie gut genug sein, damit sie mitkommt. Anne und ihre Familie konnten im Versteck nur Lesen, lernen und Radio hören.

Anne schreibt in ihr Tagebuch was sie tun würde, wenn sie wieder draußen wären: »Ich würde vor Freude gar nicht wissen, was ich tun soll. Mich frei bewegen. Und endlich wieder in die Schule.«

5. Kinder haben das Recht zu spielen, sich zu erholen und künstlerisch tätig zu sein.
Wir können auf den Spielplatz gehen, ins Schwimmbad, ins Kino, ins Theater. Wir können Fußball oder Basketball spielen, was auch immer uns Spaß macht. Wir können in Vereinen Sport machen, Kurse besuchen, Ausflüge machen. Wir können verreisen und neue Städte und Länder kennenlernen.

Anne Frank hatte das Recht nicht. Für Juden gab es bestimmte Gesetze: Juden mussten ihr Fahrrad abgeben. Juden durften nicht mit der Straßenbahn und nicht mit dem Auto fahren. Juden durften nur in jüdischen Geschäften einkaufen. Sie durften nicht ins Theater oder ins Kino. Juden durften nicht Sport treiben. Juden durften nicht ins Schwimmbad oder auf den Tennisplatz. Annes Freundin sagte: »Ich trau mich gar nichts mehr. Denn ich habe Angst, dass es verboten ist.«

Anne Frank schreibt in ihr Tagebuch: »Ich will auch wieder Spaß haben. Ich will lachen bis ich Bauchschmerzen bekomme. Ich will Radfahren und den Wind in meinem Gesicht spüren. Ich will tanzen, pfeifen, mich jung fühlen.«

6. Kinder haben das Recht sich zu informieren, mitzubestimmen und zu sagen, was sie denken.
Wir können Nachrichten schauen, z.B. Logo, um uns über die Welt zu informieren. Wir dürfen unsere Meinung laut sagen, ohne dafür bestraft zu werden. Manchmal dürfen wir auch in der Schule mitbestimmen, z.B. wohin ein Ausflug gemacht werden soll.

Anne Frank hatte das Recht nicht. In ihrem Versteck in Holland hatte sie keine Möglichkeit Nachrichten zu hören oder aktuelle Zeitungen zu lesen. Sie war von allem abgeschnitten und konnte nur noch in ihr Tagebuch schreiben, was sie wirklich dachte – den das Tagebuch konnte sie nicht bestrafen. Anne träumte davon nach dem Krieg ein Buch darüber zu schreiben, wie sie im Versteck leben mussten.

7. Kinder haben das Recht auf Schutz vor Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung.
Wir Kinder hier in Deutschland müssen nicht arbeiten. Wir dürfen in die Schule gehen. Es gibt sogar Gesetze, die sagen, dass Kinder keine Arbeit machen dürfen, die ihnen schadet. Ebenso darf uns niemand schlagen oder wehtun – auch dafür gibt es Gesetze in Deutschland.

Anne Frank hatte das Recht nicht. Ihr wurde sehr wehgetan: sie wurde von ihren Eltern getrennt und in ein Lager gebracht, wo sie schwere Steine schleppen musste. Dort wurde sie so krank, dass sie an ihrer Krankheit starb.

8. Kinder haben das Recht, dass ihr Privatleben und ihr Würde geachtet werden.
Die meisten von uns haben ein eigenes Zimmer und müssen nicht mit ganz vielen Menschen in einem Raum leben. In einem wichtigen Gesetz steht, dass die Menschenwürde zu achten und zu schützen ist, das heißt, dass alle Menschen gleich zu behandeln sind.

Anne Frank hatte das Recht nicht. Sie wurde als Jüdin ausgegrenzt. Sie musste als Erkennungszeichen, dass sie Jüdin war einen sogenannten Judenstern an ihrer Kleidung tragen. Später im Versteck hatte sie keine »Privatsphäre« sondern war mit vielen Menschen auf engem Raum untergebracht.

9. Kinder haben das Recht im Krieg und auf der Flucht besonders geschützt zu werden.
In manchen Ländern auf der Erde ist auch heute Krieg, zum Beispiel in Syrien. Erwachsene und Kinder, die aus diesen Kriegsgebieten fliehen, haben z.B. in Deutschland das Recht auf Schutz und dürfen hier erst mal bleiben.

Anne Frank hatte das Recht nicht. Sie floh mit ihrer Familie vor dem Krieg in Deutschland nach Holland. Aber auch dort musste sie sich verstecken und ihr Versteck wurde am Ende sogar verraten, sodass die ihre ganze Familie in Konzentrationslager gebracht wurden und nur ihr Vater dies überlebte.

10. Kinder haben das Recht bei Behinderung besonders gefördert und geschützt zu werden, damit sie aktiv im Leben teilnehmen können.
Wenn bei uns ein Kind behindert ist, und zum Beispiel im Rollstuhl sitzt oder nicht sehen kann, darf es trotzdem, wie alle anderen Kinder auch, in die Schule gehen und bekommt auch bei einigen Dingen, die ihm schwer fallen Hilfe.
 
Anne Frank hatte das Recht nicht. In der Zeit, in der sie lebte, wurden Kinder mit Behinderung weggebracht und sogar umgebracht. 

Nachwort:
Das war die Geschichte von Anne Frank. Sie war eines der 1,5 Millionen jüdischen Kindern, die während des Krieges ermordet wurden. Anne ist durch ihr Tagebuch weltberühmt geworden. Millionen Menschen auf der ganzen Welt haben es gelesen. Annes Vater bekam viele Briefe von Lesern. Sie wollten wissen, wie so etwas Furchtbares geschehen konnte. Otto Frank hat alle Briefe beantwortet. In einem Interview sagte er: »Ich antworte ihnen so gut ich kann und am Ende schreibe ich oft: Ich hoffe, dass Annes Tagebuch in deinem Leben nachwirkt. Damit du dich für den Frieden in der Welt einsetzen wirst.««

Kontakt

Anne-Frank-Schule Hanau
Freigerichtstr. 41-47
63450 Hanau
www.annefrankschulehanau.d