Anne-Frank-Realschule Marbach

Bericht von Lehrkraft Birgit Kittl-Sierts:

»Auch in diesem Jahr nahm die Anne-Frank-Realschule am Anne Frank Tag, dem Aktionstag gegen Antisemitismus und Rassismus des Anne Frank Zentrums in Berlin, teil. Nach der Methode des Flipped Classroom arbeiteten alle Schüler*innen zunächst zu Hause im Fernlernen mit der vom Aktionstag bereitgestellten digitalen Plakatausstellung. In der Schule fand die vertiefte Bearbeitung des Themas dann auf unterschiedliche Art und an das Alter der Schüler*innen angepasste Weise statt.

Die Schüler*innen der Vorbereitungsklasse kannten das Tagebuch teilweise schon aus ihren Heimatländern und konnten so ihr Wissen im Unterricht beisteuern. Die fünften Klassen waren vom Schicksal Anne Franks sehr bewegt und freuten sich, nach dem Projekt mehr über die Namensgeberin der Schule zu wissen. Sie lasen in der Anne Frank Zeitung und sprachen auch anhand der Bilder über das kurze Leben von Anne Frank, die stellvertretend für Millionen Menschen steht, die wir namentlich nicht (mehr) kennen. Die sechsten Klassen entdeckten das Hinterhaus, in dem Anne Frank gewohnt hat, interaktiv und schrieben Briefe an Anne Frank. Die 7a beschäftigte sich im Schwerpunkt damit wie Annes Alltag aussah und wie sich ihr Leben durch die nach und nach erlassenen Gesetze verändert hat. Die Klasse versuchte, sich in sie und ihre »Verluste« im Leben hineinzuversetzen. Zentrale Frage war hier also: Wie wirkt sich der Nationalsozialismus auf das Leben und Denken von Anne aus? Warum beschäftigen wir uns heute überhaupt noch mit ihrem Schicksal? 
Die 7b setzte sich intensiv mit den Begriffen Antisemitismus und Rassismus auseinander und konnten an das bereits vorhandene Wissen zum Verhältnis zwischen Christen- und Judentum anknüpfen. Die 7c hat an Annes Beispiel die systematische Ausgrenzung und Diskriminierung einer Bevölkerungsgruppe nachvollzogen und die Frage erörtert, ob Antisemitismus und Rassismus heute noch stattfinden. Für die 8a war die systematische Unterdrückung und Verfolgung von Menschen im damaligen Deutschland und den besetzten Gebieten, z.B. den Niederlanden, ein Schwerpunkt. Im Kontext betrachteten sie das Leben von Anne Frank, ihre Verfolgung und ihre Deportation. Der zweite Schwerpunkt war die aktuelle Entwicklung in der Welt und die Fragen: »Warum lernen Menschen nichts aus der Geschichte?« »Was tue ICH, wenn Ungerechtigkeit geschieht?« Die 9a projizierten mit Hilfe der Virtual Reality App des WDR eine Zeitzeugin, die Anne gekannt hatte und von der gemeinsamen Zeit erzählte, ins Klassenzimmer. Einen Einblick, wie Annes Tagebuch heute wohl ausgesehen hätte, bekamen die Schüler*innen, indem sie die Videotagebücher des Anne-Frank-Hauses auf YouTube betrachteten.

Schließlich wurde die Brücke zur Gegenwart geschlagen und die Jugendlichen überlegten sich, was notwendig ist, um in einer Welt ohne Rassismus und Antisemitismus leben zu können. Dies gestalteten sie künstlerisch, indem Schlagwörter in eine Silhouette ihres eigenen Kopfes geschrieben wurden. In der 9b lag der Schwerpunkt auf der Frage, wie Ideologie Menschen dazu bringt, Dinge zu tun, die sie vorher nicht für möglich gehalten haben. Dazu haben sie sich mit Anne und anderen Schicksalen im Nationalsozialismus beschäftigt und versucht herauszufinden, wie Rassismus entsteht und sich verbreitet. Dabei lag der Fokus auf dem Erkennen von einfachen rassistischen Strukturen und wie jeder Einzelne sich verhalten kann, wenn er diesen begegnet. Durch die Teilnahme am Anne Frank Tag fühlen wir uns in unserer Schulgemeinschaft sehr bereichert. Wir freuen uns auf den Aktionstag im nächsten Jahr!«

Adresse

Anne-Frank-Realschule, Schulstr. 33, 71672 Marbach am Neckar, www.realschule-marbach.de